Home - Gemeinde - Aktuell - Geschichte - Rabbinat - Synagogenprojekt - Links - Gästebuch - Kontakt - Führung

 

Gräber im "Heiligen Sand" geschändet

Unbekannte werfen 15 Grabsteine um - Keine Hinweise auf rechtsextremen Hintergrund

25.4.2006 - Von Roland Keth, Wormser Zeitung

Auf dem "Heiligen Sand", dem ältesten Judenfriedhof Europas, wurden mehrere Gräber geschändet. Unbekannte rissen 15 Grabsteine aus der Verankerung, hinterließen allerdings keine "Botschaften". Damit bleibt unklar, ob es einen rechtsradikalen Hintergrund gibt.

Die Ermittlungen hat die Kripo in Mainz übernommen, und zwar das K12, das für Extremismus und Terrorismus zuständig ist. Die Tat liegt schon einige Tage zurück und wurde erst jetzt auf Nachfrage der WZ bekannt. Polizeipressesprecher René Nauheimer nennt als Tatzeit die Nacht von 18. auf 19. April, 20 bis 7.30 Uhr. "Wir haben am Tatort weder Runen noch Hakenkreuzschmierereien entdeckt, auch sonst fehlen uns bislang Hinweise auf die Täter", fasst Nauheimer den derzeitigen Ermittlungsstand zusammen. Den Sachschaden beziffert er auf etwa 1000 Euro.

Der Wormser Polizeichef Wolfgang Schneider geht davon aus, dass es sich "um einen dummen Jungenstreich ohne rechtsextremen Hintergrund" gehandelt hat. "Aber selbstverständlich ermitteln wir in alle Richtungen." Zu denken gibt allerdings die Tatsache, dass die unbekannten Friedhofsschänder ihr zerstörerisches Werk just einen Tag vor Hitlers Geburtstag verrichteten. Zufall oder Absicht? Außerdem handelt es sich um einen Vorfall, der sich nach gleichem Muster vor genau einem Jahr in Pfeddersheim abspielte. "Dort wurden 25 Gräber geschändet", erinnert sich Ralf-Quirin Heinz nur zu gut. Der Abteilungsleiter des städtischen Friedhofsbetriebs rät dringend, die Grabschändungen nicht in der Öffentlichkeit zu thematisieren. "Denn dann geben wir Rechtsradikalen genau die Bühne, die sie haben wollen und was sie in ihrem schändlichen Tun noch bestärkt."

Für diese Haltung hat Stella Schindler-Siegreich, die gerade wiedergewählte Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz-Worms, durchaus Verständnis. Sie plädiert allerdings dafür, solche Untaten öffentlich zu machen. "Die Bürger haben ein Anrecht darauf, informiert zu werden. Außerdem ist es immer wieder wichtig, das Bewusstsein für Taten mit rechtsradikalem Hintergrund zu sensibilisieren." Heinz versprach, die Schäden an den rund 100 Jahre alten Grabsteinen schnell zu beseitigen.


Trauer um Paul Spiegel

3.05.2006 - Wormser Zeitung

woz. "Mit Bestürzung wurde der Tod des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, in Worms aufgenommen". OB Michael Kissel schrieb an die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, Stella Schindler-Siegreich, und drückte seine Trauer aus. Bürger können kondolieren in der Synagoge. Hier liegt ein Kondolenzbuch aus, das dem Zentralrat der Juden in Deutschland überreicht wird. Worms sei als Schum-Stadt der jüdischen Tradition wie auch dem modernen Judentum eng verbunden, so der OB weiter, "Versöhnung und Miteinander stehen im Vordergrund". In diesem Bestreben sei Paul Spiegel ein glaubwürdiger Partner gewesen. Anlässlich des 40. Jahrestages der Wiederweihe der Wormser Synagoge 2001 war Paul Spiegel als Ehrengast nach Worms gekommen. Berührt hatte er sich beim Besuch des Alten Judenfriedhofs gezeigt. Mit großem Interesse besichtigte er das jüdische Museum im Raschi-Haus. Spiegel habe beeindruckt durch seine aufgeschlossene, herzliche Art, so Kissel. Die Freude über seinen Besuch zu diesem besonderen Anlass habe sich auf alle Beteiligten übertragen. Dabei habe er auch den Wunsch geäußert, noch einmal nach Worms kommen zu wollen. Doch sein Terminkalender habe es ihm nicht mehr erlaubt.


© Jüdische Gemeinde Mainz