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"Wir sind ein zuverlässiger Partner"

Vorstandswahlen bei der Jüdischen Gemeinde/Stella Schindler-Siegreich kandidiert wieder

21.4.2006 - Allgemeine Zeitung - AZ-Interview


Stella Schindler-Siegreich

Am Sonntag wird die Jüdische Gemeinde Mainz Vorstandswahlen abhalten. Bislang einzige Kandidatin für das Amt der Vorsitzenden ist die amtierende Vorsitzende Stella Schindler-Siegreich (58), von der die Gemeinde, die auch das jüdische Worms umfasst, seit zwei Jahren erfolgreich geführt wird. Die seit 1960 in Worms lebende Tochter jüdischer Eltern hatte sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die traditionsreiche Jüdische Gemeinde wieder zu einem festen Teil Mainzer Lebens zu machen.

Was sehen Sie nach zweijähriger Amtszeit als größten Erfolg Ihrer Arbeit an?

Schindler-Siegreich: Es waren zwei harte Jahre, in denen auch interne Dinge zu regeln waren. Entscheidend für mich aber ist neben der Integration nach Innen, dass wir auch nach Außen wieder zu einem verlässlichen Gesprächspartner für Stadt und Land geworden sind. Ganz wesentlich ist natürlich auch, dass die Gemeinde endlich aus den Negativschlagzeilen gekommen ist.

Sie haben sich auch persönlich für viele Dinge mit großer Außenwirkung engagiert. Ich denke da beispielsweise an die Trauerhalle.

Schindler-Siegreich: Ja, das ist ein gutes Beispiel. Dass die Renovierung der sehr baufälligen Trauerhalle nun begonnen wurde, das hat sicherlich auch etwas mit persönlichen Beziehungen zu tun. Ich habe mit Landesdenkmalpfleger Dr. Glatz bereits in Worms sehr gut zusammengearbeitet. Er weiß, dass er sich auf mein Wort verlassen kann.

Ähnlich verhält es sich ja auch mit anderen Institutionen.

Schindler-Siegreich: Das stimmt. Wenn ich an unsere Bemühungen um den Bau eines neuen Gemeindezentrums denke, so kann ich feststellen, dass wir - und dabei schließe ich meinen Stellvertreter Dr. Peter Waldmann ein - mit Kuratorium, Förderverein, Stadt, Land und Architekt gute und vertrauensvolle Beziehungen aufgebaut haben. Auch von diesen Stellen werden wir wieder ernst genommen.

Für wie viele Mitglieder benötigt die Gemeinde das neue Gemeindezentrum?

Schindler-Siegreich: In den vergangenen beiden Jahren kamen knapp hundert neue Mitglieder hinzu. Heute zählt die Jüdische Gemeinde Mainz rund 1050 Mitglieder.

Wie kommen Sie mit 1050 Individualisten zurecht?

Schindler-Siegreich: Jeder hat seine besondere, unverwechselbare Beziehung zum Judentum. Für uns geht es darum, die Menschen zu stabilisieren und ihnen zu helfen, ein Bewusstsein für die Gemeinde zu entwickeln. Vor dem Krieg hatte Mainz in der Hindenburgstraße ein jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge. Im neuen Gemeindezentrum werden sich die Menschen als Juden verwurzeln können und es werden neue jüdische Lebensläufe in dieser Stadt mit ihrer bedeutenden jüdischen Tradition entstehen.

Sie setzen auf eine erfolgreiche Integration?

Schindler-Siegreich: Ja, aber nicht nur auf die Integration der Neuankömmlinge in die Jüdische Gemeinde, sondern auch in die Stadt. Und dafür wollen und müssen wir uns noch weiter öffnen. Wir wollen kein "kulturelles Ghetto" sein.

Wie soll das geschehen?

Schindler-Siegreich: Es ist mir eine Herzensangelegenheit, den Schritt nach außen zu machen, denn der bringt uns Wertschätzung. Mit mehreren erfolgreichen Veranstaltungen haben wir das bereits getan. Weitere sollen folgen. Wir wollen nicht nur um Verständnis und Hilfe bitten, sondern haben auch viel zu geben. Unsere Kultur und Geschichte ist, und das wollen wir allen Mainzer Bürgern zeigen, eng mit dieser Stadt verbunden.

Die Amtszeit des Vorstands beträgt gerade mal zwei Jahre. Ist das nicht zu kurz, um wichtige Dinge auf den Weg zu bringen?

Schindler-Siegreich: Ja, das stimmt schon. Eine so kurze Wahlperiode gibt es wohl bei keiner anderen Gemeinde in Deutschland. Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, dass vor allem unsere Gesprächspartner außerhalb der Gemeinde großen Wert auf Kontinuität und Verlässlichkeit legen. Vor allem unter diesem Aspekt wäre eine längere Amtszeit - sagen wir mal drei Jahre, wie zum Beispiel in Wiesbaden, nützlich und hilfreich. Aber für eine Satzungsänderung bedarf es zunächst einer ausführlichen Diskussion innerhalb der Gemeinde.

Das Gespräch führte Bernd Funke


© Jüdische Gemeinde Mainz