Christen und Juden feiern gemeinsam
15.03.2006 - Allgemeine Zeitung
cdb. WEISENAU Die seit 1952 jährlich stattfindende
bundesweite "Woche der Brüderlichkeit" haben Juden, katholische
und evangelische Christen in Mainz erstmals mit einem gemeinsamen Gottesdienst
gefeiert. Unter dem Motto: "Gesicht zeigen" stand in der 1738
erbauten Synagoge die Verständigung zwischen den Religionen im Vordergrund.
Die von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
(GCJZ) initiierte Abschlussveranstaltung zelebrierten die Pfarrer Ulrich
Luig (Evangelisches Dekanat), Monsignore Klaus Mayer (St. Stephan) sowie
der jüdische Theologe Dr. Hans-Jürgen Schönstedt (Jüdische
Gemeinde).
Die alte Synagoge an der Wormser Straße war bis
auf den letzen Platz belegt. "Gemeinsames Beten ist mehr als eine
selbstverständliche Kommunikation", sagte Luig. Die Zusagen
Gottes "an sein Volk Israel" gelten auch für Christen,
unterstrich der evangelische Pfarrer, für Christen sei das Judentum
die Wurzel. Monsignore Mayer sprach über das den Menschen "zugewandte
Angesicht Gottes" und forderte die Gläubigen mit Psalm 105 auf:
"Sucht Gottes Angesicht allezeit". Schönstedt berief sich
auf das Liebesgebot aus dem dritten Buch Mose: "`Du sollst deinen
Nächsten lieben` ist beileibe keine christliche Erfindung",
sagte der jüdische Gelehrte, "sondern eine uralte jüdische
Ansicht".
Die bisherige Zusammenarbeit von jüdischen und christlichen
Gemeinden sei längst nicht ausreichend, betonte Schönstedt gegenüber
der AZ: "An Miteinander kann es nicht genug sein." Der Rückhalt
durch die christlichen Gemeinden sei für die jüdische Gemeinde
"lebenswichtig". Ein gemeinsamer Gottesdienst sei zwar ein Novum,
übers Jahr würden jedoch Kontakte gepflegt, etwa durch das gemeinsame
Feiern jüdischer Feste, wie Chanukka vor Weihnachten, ergänzte
GCJZ-Vorsitzender Reinhard Goebel.
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