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Ein Baudenkmal kommt unter die Alu-Haube


Die Zinkabdeckung auf der Jüdischen Trauerhalle war so spröde und durchlässig, dass Wassereinbruch das Gebäude schädigte.
Zurzeit wird die Neueindeckung mit Aluminiumblech fertiggestellt.
Foto: Sascha Kopp

Rettung für Jüdische Trauerhalle "in letzter Minute"/ Sponsoren für charakteristische Zwiebeltürme gesucht

10.02.2006 - Von Bernd Funke, Allgemeine Zeitung

Nach Plänen von Stadtbaumeister Eduard Kreyßig wurde auf dem jüdischen Teil des Hauptfriedhofs in den Jahren 1879 bis 1881 eine Trauerhalle errichtet. Schwere Schäden am teilweise noch originalen Zinkblechdach und an den Sandsteinziergliedern werden jetzt behoben.

Die mit ihren Zwiebeltürmchen orientalisch wirkende Trauerhalle an der Unteren Zahlbacher Straße ist (die AZ berichtete) in beklagenswertem Zustand. Durch das undichte Zinkdach drang Wasser ein, der Sandstein bröckelte massiv ab. Für die Denkmalpflege alarmierende Zeichen des fortschreitenden Verfalls eines Baudenkmals. Vor mehr als einem Jahr wurde mit den Renovierungsarbeiten begonnen. Heute muss Landesdenkmalpfleger Dr. Joachim Glatz feststellen: "Bei den Arbeiten hat sich herausgestellt, dass der Bau so schwer geschädigt war, dass die Rettung buchstäblich in letzter Minute erfolgt." Die Zinklegierung des Daches, die zum Teil noch von 1881 stammte, war durch Materialermüdung spröde geworden. Reparaturen und Flickungen brachten nichts mehr. "Das Dach riss wie Papier", stellte Glatz fest. Schon im Januar vergangenen Jahres waren die für das Gebäude charakteristischen Zwiebelaufsätze abgenommen worden. Sie sollen erneuert und wieder aufgesetzt werden. Glatz: "Wir hoffen dringend auf Sponsoren."

Zurzeit werden die undicht gewordenen Dachflächen mit Aluminiumblech neu eingedeckt. Diese Arbeiten, die fast abgeschlossen sind, werden finanziert durch das Land, die Stadt und die jüdische Gemeinde Mainz als Eigentümerin der Trauerhalle. Die Kosten für die Sanierung Trauerhalle liegen bei 160000 Euro, davon entfallen etwa 60000 auf die Zwiebeln. Glatz unterstreicht den hohen Stellenwert des Baudenkmals, von dem er (und das hilft bei den Arbeiten) die Original-Baupläne aufgestöbert hat: "Von den 17 Trauerhallen in Rheinland-Pfalz sind die von den jeweiligen Stadtbaumeistern errichteten in Worms und Mainz die aufwändigsten und wichtigsten." Am heutigen Dienstag wird der für Mainz zuständiger Gebietsreferent des Landesamtes für Denkmalpflege einen Überblick über die Schäden und die inzwischen durchgeführten Maßnahmen an dem, so Glatz, "herausragenden Kulturdenkmal" geben. (s. Info-Kasten) Mit Dipl.-Ing. Ulrich Knufinke aus Braunschweig sei, so Glatz weiter, "der beste Kenner des Themas" für einen Vortrag gewonnen worden. Knufinke habe sich in seiner Dissertation mit dem Thema "Jüdische Trauerhallen in Deutschland" beschäftigt und im Rahmen seiner Forschungen unter anderem festgestellt, dass der Mainzer Trauerhalle auch architekturgeschichtlich eine besondere Bedeutung zukomme. Joachim Glatz: "Der Vortrag wird über Funktion und Besonderheit jüdischer Friedhofsbauten berichten, das Mainzer Beispiel ausführlich darstellen und in einen größeren Zusammenhang einordnen."


© Jüdische Gemeinde Mainz