Bundesverdienstkreuz für Blättermann
Initiator der neuen Synagoge in Bad Kreuznach in der Mainzer Staatskanzlei
geehrt
10.02.2006 - Von Robert Neuber, Allgemeine Zeitung
BAD KREUZNACH / MAINZ Nicolaus Blättermann ist
für sein Engagement für die jüdische Kultusgemeinde in
Bad Kreuznach das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen worden.
Ministerpräsident Kurt Beck überreichte dem Bad Kreuznacher
gestern Urkunde und Orden in der Staatskanzlei.
Nicolaus Blättermann, der vor 53 Jahren nach Bad
Kreuznach kam und hier maßgeblich am Aufbau der jüdischen Kultusgemeinde
und der Einrichtung der Synagoge mitgewirkt hat, zeigte sich gestern überrascht.
Er habe nicht mit einer solchen Auszeichnung gerechnet, und sie bedeute
ihm sehr viel. "Das ist eine ganz besondere Ehre", sagte der
85-jährige Blättermann, "und dabei habe ich doch nichts
Besonderes gesagt oder getan. Ich habe nur das getan, was mir mein Gewissen
und das Judentum vorgegeben haben."
Ministerpräsident Beck, der den Orden im Auftrag
des Bundespräsidenten Horst Köhler überreichte, sah dies
naturgemäß anders - und die zahlreichen geladenen Familienmitglieder
Blättermanns und dessen Weggefährten beim Aufbau der jüdischen
Gemeinde auch. "Nicolaus Blättermann hat einen beispielhaften
Beitrag zur Versöhnung und Integration geleistet", so Beck,
"und sich um das Gemeinwohl in sozialer, mitmenschlicher und kultureller
Hinsicht verdient gemacht."
Der sichtlich gerührte Blättermann dankte nach
der Verleihung insbesondere seiner Frau Maria und seiner Familie, aber
auch jenen, ohne die eine neue Synagoge in Bad Kreuznach nicht möglich
gewesen wäre. Maria Blättermann, die ihren Mann nach dem Zweiten
Weltkrieg in Berlin kennengelernt hatte, freute sich für ihn: "Er
hat es so verdient bei all dem, was er noch in seinem Alter gemacht hat."
Das Paar fand durch die Wirrungen und Auswüchse
des Weltkriegs zusammen: Nicolaus Blättermann, in Düsseldorf
geboren, floh mit seiner Familie vor den Nazis nach Rumänien, wo
die Familie getrennt und deportiert wurde. Nach der Befreiung aus dem
Konzentrationslager ging Blättermann nach Berlin, wo er seine aus
Oberschlesien geflohene Frau Maria traf. "Wir sind seit 60 Jahren
verheiratet und durch alle Höhen und Tiefen gegangen - da muss ich
nicht mehr viel sagen", erklärte sie auf die Frage, was ihren
Mann auszeichne.
Oberbürgermeister Andreas Ludwig erklärte in
seiner Ansprache, Blättermann sei ein "Mann der leisen Töne",
der "mit großem Engagement und viel Herzblut" in Bad Kreuznach
wirke: "Wir sind stolz auf Sie. Die Synagoge ist das, was von ihrem
Engagement in Steinen zu fassen ist. Aber es ist viel mehr: Sie haben
sich für den Ausgleich in der Gesellschaft eingesetzt, für ihren
Zusammenhalt. Ihr Werk wird in uns leben."
Renate Thesing von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit in Bad Kreuznach sprach von einem "ganz fantastischen"
Ereignis, besonders deswegen, weil Blättermann seine eigene Bedeutung
so oft herunterspiele und weil er so sehr im Stillen wirke. "Ohne
ihn gäbe es die Gesellschaft nicht."
Die Bad Kreuznacher Kulturdezernentin Helga Baumann sprach
ebenfalls von einem "großen Tag".
Nicolaus Blättermanns Sohn René, der eigens
aus Lübeck angereist war, sagte, es berühre ihn sehr, dass der
Traum, den sein Vater über zwei Jahrzehnte hatte, mit der Synagoge
in Erfüllung gegangen sei. Das wäre ohne die Hilfe vieler Menschen
in Bad Kreuznach nicht möglich gewesen. Das Bundesverdienstkreuz
mache seinen Vater glücklich und stolz. Er habe es verdient: "In
Bad Kreuznach gibt es wieder eine lebendige jüdische Gemeinde, und
das sichtbare Zeichen hierfür ist die Synagoge. Ihre Eröffnung
war ein historischer Moment für die Stadt."
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