Musik rettet Cellistin das Leben
Gesprächskonzert mit Anita Lasker-Wallfisch und Studierenden der
Musik
04.02.2006 - von Daniel Honsack, Allgemeine Zeitung
In der Evangelischen Studierendengemeinde erzählte
die Cellistin Anita Lasker-Wallfisch in einem Gesprächskonzert über
ihre Erfahrungen in den Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen-Belsen.
"Es ist erstaunlich, was ein Mensch alles aushalten
kann". Anita Lasker-Wallfisch weiß, wovon sie spricht. Als
Häftling in den Gefängnissen und Konzentrationslagern der Nationalsozialisten
ist es ihr gelungen, sich inmitten von Tod und Elend Hoffnung zu bewahren.
Die Cellistin, die 1925 als Tochter deutsch-jüdischer Eltern im damaligen
Breslau geboren wurde, überlebte dreieinhalb Jahre in den Lagern
Auschwitz-Birkenau und Bergen-Belsen. Dass ihr das gelang, verdankt sie
auch der Musik. Denn als sie 1942 in Auschwitz ankam, wurde gerade für
die Mädchenkapelle eine Cellistin gesucht.
Die heute 80-jährige Musikerin ging nach der Befreiung
des Lagers Bergen-Belsen nach London und spielte später im renommierten
English Chamber Orchestra. Bis vor wenigen Jahren hatte sie keinen Fuß
mehr auf deutschen Boden gesetzt, ist heute aber eine viel gefragte Zeitzeugin
und wird von zahlreichen Schulen und anderen Einrichtungen nach Deutschland
eingeladen.
Die musikalische Gestaltung des Gesprächskonzert
hatten Studierende der Hochschule für Musik unter der Leitung von
Prof. Klaus Marx übernommen. Dabei kamen Werke zur Aufführung,
die von Komponisten geschrieben wurden, die im tschechischen Lager Terezín
interniert waren und dort unter unbeschreiblichen Bedingungen Musik schufen.
Zu ihnen gehörte auch Hans Krása, der 1942
das "Thema con variazioni" für Streichquartett schrieb.
Maria Ilska, Dorottya Uilaky (Violinen), Fernanda Vieira (Viola) und Jawor
Domischljarski (Cello) gelang es, das facettenreiche und an Stimmungen
und Charakteren ausgesprochen vielseitige Werk zupackend und mit kultivierter
Sorgfalt zu interpretieren. Auch das dritte Streichquartett op. 46 von
Viktor Ullmann aus dem Jahr 1943 spielten sie mit einer pulsierenden Intensität.
Besonders beeindruckend der stürmisch-fordernde Unisono-Einstieg
in den Schluss-Satz. In den Drei Liedern von Hans Krása nach Gedichten
von Arthur Rimbaud empfahl sich Florian Rosskopp als wendiger und gleichzeitig
kraftvoller Bariton, dessen empfindsame Diktion im Dialog mit den streckenweise
überaus virtuosen Klarinettenläufen von Katharina Zahn spannungsvoll
korrespondierte.
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