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Asyl im Keller


Gewicht der Schrift: "Lesender" von Bildhauer Walter Schembs.
Foto: Alessandro Balzarin

Wormser Raschi-Ausstellung mit Lichtsäule

12.04.2005 - Von Gundula Werger, Allgemeine Zeitung

WORMS Ein besonderer Ort: Zwei massige Pfeiler tragen das Gewölbe des Jahrhunderte alten Kellers am Synagogenplatz. Dieser private Keller gewährt einer Kunstausstellung Asyl, die sich, vom rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministerium als jüdisch-christliche Gemeinschaftsausstellung gefördert, mit Rabbi Salomon ben Isaak, genannt Raschi, auseinandersetzt. Die Ausstellung ist eine der vielen Veranstaltungen, die im Raschi-Gedenkjahr in Worms anlässlich des 900. Todestages des großen mittelalterlichen Gelehrten stattfinden. Raschi verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Troyes in der Champagne, sein Name verbindet sich aber auch mit Worms und Mainz, weil Raschi an den dortigen, damals über die Rhein-Region hinaus berühmten Talmud-Hochschulen studierte.

Eigentlich war als Ort der Ausstellung die Synagoge vorgesehen. Doch im Vorstand der jüdischen Gemeinde Mainz, die Hausherrin der Synagoge ist, befürchtete man, dass die Installation der Berliner Künstlerin Anna Adam eine Provokation für orthodoxe Juden sein könnte. Man wollte keinen Eklat wie den, den Anna Adams "Feinkost"-Ausstellung im Jüdischen Museum in Fürth vor drei Jahren bewirkt hatte. Anna Adam geht es darum, Klischees vom Judentum aufzubrechen, also die folkloristische Reduzierung auf Klezmermusik oder die einem "Berufsjudentum" aufgebürdete Wächterrolle über den richtigen Umgang mit der deutsch-jüdischen Geschichte zu konterkarieren. Professor Micha Brumlik, Leiter des Fritz Bauer Instituts, wies zur Eröffnung der Ausstellung darauf hin, dass der Konflikt um die Auslegung der Tradition und um die Rolle des Weiblichen, um die es in der aktuellen Wormser Installation geht, so alt sei wie das mittelalterliche Synagogen-Ensemble mit seinem Lehrhaus und Ritualbad.

Wer zu Anna Adams "Lichtsäule" will, die mit pulsierendem vielfarbigen Licht lockt, muss sich entscheiden. Entweder er kapituliert vor dem mit Holzbrettern vernagelten Tor oder er lässt sich von der Aufschrift "Eingang nur für neugierige Mehrheiten" anziehen. Er kann eine Brille aufsetzen, die es in amerikanischen Judaika- Shops zu kaufen gibt, und die vielen Lichter, die die Installation umgeben, verwandeln sich in kunterbunte Davidsterne: Judentum soll spielerisch sein, Vergnügen machen!

Ausstellung bis 9.Mai 2005. Geöffnet täglich von 13 bis 18 Uhr. Eingang: Synagogenplatz 1.


© Jüdische Gemeinde Mainz