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"Kenntnis führt zu Verständnis"

40 Jahre christlich-jüdische Zusammenarbeit

15.3.2005 - Von Torsten Lauer, Allgemeine Zeitung

Noch bevor der Staat Israel offiziell von der Bundesrepublik anerkannt wurde, gründete sich in Mainz die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Das war am 14. Dezember 1964. Seitdem hat sich der Verein, seit 27 Jahren in der Augustinerstraße ansässig, rege für die Verständigung zwischen Christen und Juden eingesetzt. "Wir haben uns zum Sprachrohr für beide Religionen gemacht", schilderte der Vorsitzende der Gesellschaft, Reinhard Goebel.

In seiner Festansprache vor zahlreichen Gästen, darunter Prof. em. Otto Böcher (70), das einzige noch lebende Gründungsmitglied, brachte Goebel die Begegnungsarbeit auf eine kurze Formel: "Die Vermittlung von Kenntnis führt zum besseren Verständnis." Deshalb setze sich der Verein vor allem für einen Austausch von Schülern ein. Sie sollen die jüdische Kultur kennen lernen und den tieferen Sinn der religiösen Gebräuche verstehen. Aber nicht nur Christen werden zum Abbau von Vorurteilen animiert. "Noch immer wissen Juden viel zu wenig über die christliche Religion", bemerkte die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Stella Schindler-Siegreich in ihrer Rede und regte weitere Aufklärungsarbeit an.

Oberbürgermeister Jens Beutel lobte den Verein als lebendiges Begegnungsforum. "Dem viel beschworenen Kampf der Kulturen setzen wir in Mainz etwas Positives entgegen", erklärte Beutel im Hinblick auf die Verständigung der Weltreligionen. In Mainz werde sensibel mit der leidvollen jüdischen Geschichte umgegangen. Die zahlreichen jüdischen Spuren im Stadtbild müssten im Gedächtnis der Menschen gehalten werden, formulierte Beutel.

Dass der Dialog der Religionen noch lange nicht zu Ende sei, erklärten Propst Dr. Volker Schütz und Weihbischof Dr. Ulrich Neymeyr. "Wir leben in einer multikulturellen Welt, die ihre Wurzeln kaum noch kennt", stellte Schütz fest. Die christlichen Kirchen seien in den letzten 40 Jahren zu einem unverkrampften Verhältnis gegenüber der jüdischen Religion gekommen, was auch ein Erfolg des Vereins sei. Dies bestätigte auch Landesrabbiner Dr. Henry G. Brandt: "Früher war die christlich-jüdische Zusammenarbeit eine gesellschaftliche Pflicht, mittlerweile kommt sie aus vollem Herzen."


© Jüdische Gemeinde Mainz