Home - Gemeinde - Aktuell - Geschichte - Rabbinat - Synagogenprojekt - Links - Gästebuch - Kontakt - Führung

 



Historische Inschriften vom Zerfall bedroht
Bauinschrift der Synagoge bei "Museumsnachtisch"


"Zeuge einer großen Kultur": Museumsmitarbeiter Richard Weber erläutert den Zuhörern die Geschichte des Steins, der zur früheren Alzeyer Synagoge gehörte.
Foto: Jens Kowalski

19.01.2005

ALZEY "Es soll aufgeschrieben sein für die zukünftigen Generationen, dass dies das erste Gotteshaus ist, das gebaut hat die Gemeinde mit Hilfe des Allerhöchsten. Angefangen wurde das Werk im Januar 1852. Es geschah die Vollendung im Oktober 1854." Mit der Bauinschrift der Alzeyer Synagoge von 1854 eröffnete das Alzeyer Museum gestern seine Reihe "Nachtisch zum Museum"

Von unserem Mitarbeiter Markus Sommer

Das Museum präsentierte den Zuhörern mit der in Stein gemeißelten hebräischen Inschrift gleich einen schwer verdaulichen Nachtisch. Doch Richard Weber, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Museums, ehemaliger Lehrer und heute Student der Judaistik, servierte seinem Publikum dennoch schmackhafte 30 Minuten. Er übersetzte mit viel Sachkenntnis den Text und erläuterte die Geschichte des Steins, der ehemals Teil der Alzeyer Synagoge war. Er sei, wie Weber betont, nicht nur Zeuge einer großen Kultur, sondern auch eines großen Verbrechens. Dies dürfe nicht vergessen werden.

Der Vortrag fing mit einer Einführung in das Hebräische an und erinnerte an die vielen Spuren (wie "Maloche" oder "Lasche"), die diese Sprache in unserem täglichen Sprachgebrauch hinterlassen hat. Ausgestattet mit einem hebräischen Alphabet, konnten sich die Zuhörer im Anschluss an den Vortrag auch selbst daran machen, die Buchstaben der Inschrift zu entziffern. Dies wurde aber durch den witterungsbedingten schlechten Zustand des Steins erschwert.

Bis Oktober 2004 stand er auf dem jüdischen Friedhof in Alzey und wurde dann, vor allem um ihn vor dem weiteren Verfall zu schützen, in das Museum gebracht. Die letzten Zeilen der Inschrift sind schon nicht mehr zu lesen. Weber vermutet, dass es sich dabei ursprünglich um einen Segensspruch handelte.

Die Verwitterung, die diesem Stein der Synagoge seine letzten Zeilen geraubt hat, setzt auch den Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof zu. Die beiden Museumsleiter Dr. Eva Heller-Karneth und Dr. Rainer Karneth regten zu Ende der Veranstaltung dann auch eine Initiative zur Rettung der Inschriften der Steine an. Diese könnten zum Beispiel durch gute Fotografien, im Rahmen einer Foto-AG, für die Nachwelt festgehalten werden, war ihr Vorschlag.

Seit 2001 präsentiert das Museum elf Mal im Jahr in der Reihe "Museum in der Mittagspause" ausgewählte kultur- und naturgeschichtliche Stücke einem interessierten Publikum. Die nächste Veranstaltung findet am 15. Februar, 13 bis 13.20 Uhr, statt und trägt den Titel "Vom Spinnwirtel zum Spinnrad".


© Jüdische Gemeinde Mainz