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Kreyßig-Zwiebel als Spardose
Rettungsmaßnahmen für die Jüdische Trauerhalle haben begonnen


Eingerüstet und ohne ihre charakteristischen Zwiebel-Aufsätze zeigt sich die vom Verfall bedrohte Jüdische Trauerhalle an der Unteren Zahlbacher Straße. - Gestern holten Mitarbeiter einer Westhofener Firma die Zinkblech-Zwiebeln vom porösen Dach.
Foto: Sascha Kopp

18.01.2005 - Von AZ Redaktionsmitglied Bernd Funke

Die 1881 im orientalischen Stil von Stadtbaumeister Eduard Kreyßig gebaute Jüdische Trauerhalle an der Unteren Zahlbacher Straße ist vom Verfall bedroht (die AZ berichtete). Schwamm, Schädlinge und Wasser setzen der Bausubstanz schon seit Jahren zu. Jetzt hat die Landesdenkmalpflege Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Als erstes wird das Dach saniert.

Seit Wochen schon ist das Baudenkmal am Eingang zum Jüdischen Friedhof eingerüstet. Jetzt sind auch die charakteristischen Zwiebel-Aufsätze abmontiert. Denkmalpfleger Dr. Joachim Glatz: "Die ersten Maßnahmen haben wir zusammen mit der GWM, der Gebäudewirtschaft Mainz, durchgeführt. Die Finanzierung erfolgte bisher über das Land." Als nächste Maßnahme wird ein Schutzdach errichtet, dann wird das alte Dach entfernt. Die Kosten der Sanierung, an denen sich auch die Stadt und die Jüdische Gemeinde beteiligen wollen, beziffert Glatz mit rund 160000 Euro, davon entfallen etwa 60000 auf die neuen Zwiebeln. Eine davon wird vom heutigen Dienstag an im Rathaus stehen. "Als Spendenbehälter", sagt Glatz, der auf Unterstützung des Vorhabens durch die Mainzer hofft. Denn: "Von den 17 Trauerhallen in Rheinland-Pfalz sind die von den jeweiligen Stadtbaumeistern errichteten in Worms und Mainz die aufwändigsten und wichtigsten."

Nach dem Krieg diente die Trauerhalle an der Unteren Zahlbacher Straße der Jüdischen Gemeinde auch als Gotteshaus. Jetzt ist das Zinkblechdach an vielen Stellen schadhaft, Sandstein platzt ab, im Gebäude machen sich Schimmel und Pilze breit, Risse im Backsteingemäuer wachsen, der linke Gebäudetrakt hat sich abgesenkt. Joachim Glatz: "Die Zinklegierung des Daches, die zum Teil noch von 1881 stammt, ist durch Materialermüdung spröde geworden. Reparaturen und Flickungen bringen nichts mehr. Das Dach reißt wie Papier." Welche Schäden sich unter dem Zink am Dachstuhl verbergen, weiß der Denkmalpfleger natürlich noch nicht, aber er rechnet mit Erkenntnissen "in den nächsten Monaten". Insgesamt räumt Glatz eine Restaurierungszeit von zwei bis drei Jahren ein: "In welchen Bauabschnitten wir vorgehen können, hängt natürlich von der Finanzierbarkeit ab." Mit einer Klempnerei aus Westhofen, die bereits für Burgen und den Mainzer Dom tätig war, hat Glatz einen kompetenten Partner gefunden, "aber wir müssen natürlich noch die anderen Angebote sichten".

Glück für die Denkmalpflege ist, dass Kreyßigs Originalbauakten im Centrum Judaicum in Berlin gefunden wurden. Das wird die Restaurierung erleichtern", weiß Glatz, der aus den Unterlagen auch Aufschluss über die von Kreyßig verwendeten Baumaterialien erwartet. "Die Jüdische Trauerhalle ist Teil der Mainzer Stadtgeschichte", macht der Landesdenkmalpfleger deutlich. "Unser erstes Ziel ist, den Verfall zu stoppen."


© Jüdische Gemeinde Mainz