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Dank Schindler wurde Plaszow nicht vergessen

Vom 17.01.2005


KRAKAU (ber/dpa) Im Herrschaftsbereich der Nazis gab es unzählige Mordlager, und nur die wenigsten sind bis heute unvergessen wie Auschwitz, Treblinka, Majdanek oder Sobibor, jene Fabriken des Todes, in denen Millionen Menschen ermordet wurden. Vielleicht wäre das KZ Krakau-Plaszow genau so in Vergessenheit geraten wie viele andere Lager gerade im Osten, hätte nicht ausgerechnet ein Deutscher dort sein Rettungswerk für über 1000 Juden begonnen - Oskar Schindler, dessen Tat später Steven Spielberg unter dem Titel "Schindlers Liste" verfilmte. Am Samstag haben nun Politiker und frühere Häftlinge der Befreiung des Lagers vor 60 Jahren gedacht.

80000 wurden ermordetPlaszow war seit Dezember 1942 ein Arbeitslager für Juden. Dort waren auch die Arbeiter des Industriellen Schindler untergebracht, der immer wieder dem sadistischen mordlüsternen Lagerchef Göth Vorteile für "seine" Juden abfeilschte. Nachdem mit Ausnahme der "Schindler-Juden" die jüdischen Häftlinge nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden, kamen nichtjüdische Polen und Gefangene anderer Nationalitäten ins Lager. Von 150000 Häftlingen wurden mindestens 80 000 ermordet - die meisten von ihnen wohl Juden.

"Ich habe noch immer die Erinnerungen vor Augen", so Kazimierz Wiechec, der 1943 als 17-Jähriger ins Lager kam. "Am schlimmsten war es abends, weil von überall der Geruch brennender Leichen kam." Ex-Häftling Kazimierz Kozlowski rief auf, die Erinnerung zu bewahren: "Heute gibt es Freundschaft zwischen unseren Völkern, die Verbrechen darf man aber nicht vergessen."

Knapp zwei Wochen nach der Befreiung von Plaszow, am 27. Januar 1945, erreichten sowjetische Truppen dann Auschwitz, das größte deutsche Vernichtungslager. Zum 60. Jahrestag der Befreiung werden Delegationen aus fast 40 Staaten erwartet. Zu den Teilnehmern der Gedenkfeier gehören außer ehemaligen Häftlingen und Veteranen der Roten Armee Bundespräsident Köhler, Israels Staatspräsident Katzav, Russlands Präsident Putin, Frankreichs Präsident Chirac und US-Vizepräsident Cheney.

Gedenkstätten fehlt Geld

Abseits der Feierlichkeiten dieser Tage kämpfen aber andere Gedenkstätten ums finanzielle Überleben. Auch in Majdanek bei Lublin, wo im Vernichtungslager 360000 Menschen ermordet wurden, gibt es erhebliche Probleme. Für den Erhalt von Lagerbaracken, Gaskammern, Krematorium und Häftlingskleidung seien im Jahr umgerechnet zwei Millionen Euro nötig, so ein Museumssprecher. Auch die in der Gedenkstätte aufbewahrten Dokumente seien nach 60 Jahren in schlechtem Zustand. Das vom Staat für den Erhalt bereit gestellte Geld reiche dafür aber lange nicht aus. Den Gedenkstätten für den Massenmord droht nun der Verfall.


© Jüdische Gemeinde Mainz