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Geschichte eines Scheiterns
Jüdisches Museum zeigt die Ausstellung "Pioniere in Celluloid"


"Die Straße": Stummfilm von 1923.
Jüdisches Museum

 

Vom 06.01.2005 - Von Kurier-Redakteur Gerd Klee

Als die Bilder in Deutschland laufen lernten, waren auch viele jüdische Künstler mit von der Partie: Produzenten, Regisseure, Schauspieler, Autoren und Komponisten stürzten sich in das Abenteuer des neuen Mediums Film, das im Begriff war, seinen weltweiten Siegeszug anzutreten. Natürlich fällt einem sofort der Name Ernst Lubitsch ein; viele andere Protagonisten der ersten Stunde aber sind in Vergessenheit geraten. Abhilfe bringt da derzeit die Ausstellung "Pioniere in Celluloid - Juden in der frühen Filmwelt" im Jüdischen Museum in Frankfurt; die Schau wurde erstellt von der Stiftung Neue Synagoge Berlin/Zentrum Judaicum, für ihre Präsentation in der Mainmetropole ist sie um einige Exponate zu Frühgeschichte des Kinos erweitert.

Die Geschichte des deutsch-jüdischen Kinos ist eine Geschichte des Scheiterns. Dabei war der Anfang von reichlich Enthusiasmus geprägt: Nach viel versprechendem Beginn in Deutschland, waren es vor allem die jüdischen Produzenten, die den Schritt über den großen Teich in Richtung Hollywood wagen, Kooperationen über den Atlantik hin anbahnen wollten; es blieb beim Versuch.

Und so beginnt bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine erste Welle der Abwanderung in das Land jenseits des großen Teiches, weil dort einfach die Chancen der künstlerischen Selbstverwirklichung um ein Vielfaches größer waren als etwa in Berlin. Der ganz große Exodus kam nur wenige Jahre später nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten.

So beschränkt sich die Ausstellung "Pioniere in Celluloid" denn auch auf die ganz frühen Jahre. In vier Mini-Kinos werden im Jüdischen Museum Ausschnitte aus etwa 20 stummen Spiel- und Dokumentarfilmen gezeigt, die einen Überblick über die Themenvielfalt der deutsch-jüdischen Produktionen des Zeitraums von etwa 1910 bis nach 1920 vermitteln: Da steht Klamottiges ("Der Stolz der Firma" von Carl Wilhelm mit Ernst Lubitsch als Schauspieler") neben Klassischem ("Nathan der Weise" von Manfred Noa mit Werner Krauß), die Legende vom "Golem" neben der Dokumentation von Pogromen in Osteuropa - eine Mischung, die dem Besucher der Ausstellung durchaus Abstraktions- und Einordnungsvermögen abverlangt.

Jüdisches Museum, Untermainkai 14-15, bis 30. Januar, geöffnet: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr, Führungen jeweils sonntags um 15 Uhr; zur Ausstellung ist im Henschel Verlag ein Begleitband (24,90 Euro) erschienen. www.juedischesmuseum.de


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