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"Werden Teil der Mainzer Vergangenheit"

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde will Information und Integration fördern

09.11.2004 - Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Funke

2600 Juden lebten vor 1945 in Mainz, nach dem Ende des Nazi-Regimes und des 2. Weltkriegs waren es noch 61. Dass die Jüdische Gemeinde Mainz heute wieder knapp 1000 Mitglieder zählt, ist Folge des Zustroms aus der ehemaligen Sowjetunion. "Große Zuwächse sind aber wohl nicht mehr zu erwarten", analysiert Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Gemeinde, die Situation. Zahlreiche Angebote in der Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit macht die Gemeinde, um die neuen Mitglieder zu integrieren.

Dabei spielen Gedenktage wie der heutige 9. November eine besondere Rolle. Vor 66 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, setzten Nationalsozialisten die Hauptsynagoge in der Hindenburgstraße in Flammen. "Das hatte Signalwirkung. Erst brannten Bücher, dann Häuser, dann Menschen", sagt Stella Schindler-Siegreich, erinnert an viele Vorboten der Eskalation der Gewalt gegen jüdische Mitbürger. "Nach dem Ende der Naziherrschaft waren sie nicht mehr da. Weder die Menschen noch die Gebäude", stellt die Vorsitzende der Gemeinde fest und nennt aus den 60er Jahren zwei Namen, die für die Kontinuität Mainzer Judentums standen, die Familien Waldmann und Epstein - "und dann waren da die polnischen Juden."

Man schreibt nach dem jüdischen Kalender das Jahr 5765. Erstmals wird Stella Schindler-Siegreich in einer öffentlichen Rede heute (14 Uhr am Mahnmal vor der ehemaligen Hauptsynagoge in der Hindenburgstraße) in ihrer Funktion als Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz an die Pogromnacht von 1938 erinnern. "Es ist wichtig, Bewusstsein zu schärfen, aufzuklären und Verständnis zu schaffen", sagt die Vorsitzende. Und das gilt für sie nicht nur für den heutigen Gedenktag und nicht nur für die nicht jüdischen Mainzer. "Unsere Neumitglieder werden Bürger der Stadt, und so wird die Mainzer Vergangenheit auch Teil ihrer Geschichte", weiß Stella Schindler-Siegreich. Und deshalb wird heute in internem Kreis die ehemalige Mainzer Jüdin Gerti Meyer-Jorgensen, geborene Salomon, ihre als ZDF-Reportage verfilmte Lebensgeschichte als Zeitzeugin erzählen.

Der Vorsitzenden ist daran gelegen, das Gedenken an Verluste wach zu halten. Auch an den Verlust der Synagoge. Dankbar nimmt sie Initiativen wie das Kuratorium zu Bau einer neuen Synagoge oder den jetzt hundert Mitglieder zählenden Förderverein "Eine Neue Synagoge für Mainz" als stete Mahner zur Kenntnis. Die Synagoge nicht nur als äußeres Zeichen einer wieder Teil der Stadt gewordenen Jüdischen Gemeinde lässt Stella Schindler-Siegreich den Blick nach vorne richten: "Wann soll der Neubau stehen?" Eine Frage, die längst schon die nach der Notwendigkeit ersetzt hat.


© Jüdische Gemeinde Mainz